Lokale Identität trifft auf europäische Identität

Der Klang einer Violine hallt durch den Karl-Singer-Festsaal des Adam Müller Guttenbrunn Hauses. Augenblicklich kehrt Ruhe ein. Die Gespräche der Anwesenden verstummen. Es ist Montag der 9. Mai, früher Abend. Vor der Bühne steht ein leuchtend gelbes Transparent. „Shine your light – light up your city. Timisoara 2021 European Capital of Culture Candidate City“ ist darauf zu lesen. Davor sitzen fünf Personen. Drei Frauen und zwei Männer. Doch die eigentlichen Hauptpersonen des Abends sind keine Menschen, sondern ein Buch und die Stadt Temeswar.

Eine der drei Frauen ist Ştefana Ciortea-Neamţiu. Sie ist die Autorin des Buches, Journalistin der Banater Zeitung und Lektorin an der Fakultät für Politikwissenschaften, Philosophie und Kommunikationswissenschaften der West-Universität Temeswar. Ihr neu erschienenes Werk „Eine Stadt vermittelt sich“ setzt sich aus einer wissenschaftlichen Untersuchung und einer Sammlung von Zeitungsartikeln zusammen. Es erzählt die Geschichte einer seit Jahren vorbereiteten Kandidatur. Einer Kandidatur, für die es viele Gründe gibt.

„Das Programm einer Kulturhauptstadt Europas ist ein äußerst europäisches Programm: Es geht dabei um lokale Identitäten und die europäische Identität, um Schlagworte wie Einheit in der Vielfalt, Europa der Regionen, Europa der Städte und Europa der Bürger, um Kreativwirtschaft, es geht um identitätsbildende Prozesse. Das Unbekannte soll bekannt werden.“

Auch die weiteren Podiumsgäste Werner Kremm, Redaktionsleiter der „Banater Zeitung“, Robert D. Reisz, Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften, Philosophie und Kommunikationswissenschaften und Simona Neumann, Geschäftsführerin des Vereins „Temeswar – Kulturhauptstadt Europas 2021“ sind sich über die Vorteile des Titels einig.

„Der Titel ist ein großes Privileg und ermöglicht eine langfristige Stadtentwicklung“, erklärt Simona Neumann, die mit ihrem Verein die Schlüsselfigur der Bewerbung darstellt. In ihrem Vortrag bringt sie den Zuhörenden die einzelnen Schritte, die Gründe und die Vorteile der Kandidatur näher. Ihr besonderer Dank gilt auch dem deutschen Konsulat in Temeswar, welches die Bewerbung von Anfang an unterstützte und an diesem Abend durch Vizekonsul Siegfried Geilhausen repräsentiert wird.

Fest steht bereits, dass es im Jahr 2021 eine rumänische Kulturhauptstadt geben wird. Welche genau, ist jedoch noch offen. Temeswar hat die erste Auswahlrunde erfolgreich gemeistert und es zusammen mit Baia Mare/ Frauenbach, Bucureşti/ Bukarest und Cluj-Napoca/ Klausenburg in die nähere Auswahl geschafft. Die endgültige Entscheidung fällt im September. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir das schaffen“, sagt Moderatorin Marilena Branda und lächelt.

Der Klang einer Violine mit Klavierbegleitung beendet den Abend und geleitet die Anwesenden in den sonnigen Abend der zukünftigen Kulturhauptstadt Europas.

(Verfasserin: Alexandra Bidian, Praktikantin)

"Eine Stadt vermittelt sich"