Brückenbauer vernetzen sich - Direktoren rumänischer deutschunterrichtender Schulen tauschen sich in Temeswar aus

32 Schulleiterinnen und Schulleiter der insgesamt 48 rumänischen  DSD- („Deutsches Sprachdiplom“) Schulen waren Anfang April für zweieinhalb Tage auf Einladung der drei in Rumänien eingesetzten Fachberatern/-innen der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) zusammengekommen, um untereinander Erfahrungen auszutauschen und das Gespräch mit Ministerialreferenten des Nationalen Rumänischen Bildungsministeriums zu suchen. Ein Thema unter vielen: die Stundentafel im Bereich der zweiten Fremdsprache. „Im Herbst wurden wir aufgeschreckt, dass der Unterricht in der zweiten Sprache auf nur noch eine Wochenstunde gekürzt werden sollte“, so Gabriela Sandulescu, Leiterin des Eminescu-Nationalkollegs in Jassy. „Diese Überlegung aus dem Ministerium ist zwar vom Tisch, doch wir brauchen Planungssicherheit für unsere DSD-Programme.“ Unbeliebt sind bei den Schulleitern auch gelegentliche Diskussionen mit den Buchhaltern in den regionalen Schulinspektoraten, ob die Lehrerversorgung in den Deutschzweigen angemessen sei. „Auch hier könnte ein gesetzlich festgeschriebener besonderer Status den DSD-Schulen helfen, solche Diskussionen zu vermeiden“, glaubt Heli Wolf, Leiterin des renommierten Lenau-Lyzeums in Temeswar, die die Tagung gemeinsam mit ihren Stellvertreterinnen Mona Mateiu und Diana Popoviciu und ZfA-Koordinatorin Birgit Söldenwagner ausgerichtet hat. Kostenlose Sprachkurse für rumänische Lehrkräfte, die Sachfächer in deutscher Sprache unterrichten, wurden ebenfalls als Instrument zur Stärkung des Deutschunterrichtes  vorgeschlagen.

Die Konferenz der Direktoren der rumänischen DSD-Schulen hat deshalb den Wunsch geäußert, das deutsch-rumänische Abkommen über die schulische Zusammenarbeit von 1999 zu erweitern und den Sprachdiplomschulen darin einen besonderen Status einzuräumen. „Nur mit kontinuierlichem Unterricht und nicht zu knapper Wochenstundenzahl kann der Weg zum DSD erfolgreich beschritten werden“, bekräftigte Rodica Talnariu vom Nationalkolleg Saguna in Hermannstadt.

„Dass im Gespräch mit den Ministerialreferenten Dr. Alexandru Szepesi und Luminita Stoian auch heikle Themen nicht ausgespart werden, zeugt von der offenen Gesprächskultur im Bereich der Deutschlandschaft Rumäniens“, so Birgit van der Leeden, Fachberaterin in Hermannstadt, die den Direktoren das vielfältige Angebot der ZfA und ihrer Partner im Bereich der Stipendien, Fortbildungen und Vernetzungsprojekte präsentierte. Vor allem aber lernen die Schulleiter voneinander: Zwei Programmblöcke waren der Präsentation von „best-practice“-Beispielen gewidmet, in der die Direktoren ihren Kolleginnen und Kollegen von Austausch-, Antirassismus- und Kulturprojekten berichteten. Dabei wurde deutlich, dass auch das EU-Programm „Erasmus plus“ längst in Rumänien angekommen ist.

Der deutsche Konsul in Temeswar, Rolf Maruhn, sprach den Schulleitern denn auch ein Kompliment für ihre „Brückenfunktion“ aus: „Sie bauen die Brücke, die die junge rumänische Generation mit Deutschland und Europa verbindet“, sagte der Diplomat beim Abendempfang des Konsulats und sicherte den Anwesenden zu, auch weiterhin die Bemühungen um Stärkung des Deutschunterrichts in Rumänien flankierend zu unterstützen.

Und während die moderne Kommunikation mit all ihren Medien wie Skype, WhatsApp und Facebook diese Vernetzung beschleunigt und erleichtert, brachen die Direktoren bei der abschließenden Feedbackrunde geradezu eine Lanze für regelmäßige persönliche Begegnungen: „Ein solcher Austausch ‚face to face‘ ist über alle Maßen bereichernd und fruchtbar“, betonte Gabriela Mucea vom Cosbuc-Nationalkolleg in Bistritz. „Wir danken daher der ZfA ausdrücklich, dass sie dieses Forum zum Austausch wieder ermöglicht hat.“

© Text: DJ, ZfA Bukarest