Erzbischof Robert Zollitsch zu Besuch im Banat

„Die Donauschwaben sind, sowohl wie ich sie in Deutschland erlebe, wie auch in Serbien und erst recht im Banat, Brückenbauer zwischen den Menschen, aber auch Brückenbauer in eine Zukunft, die hoffentlich friedlicher sein wird, als die bisherige.“ Der emeritierte Erzbischof Dr. Robert Zollitsch weilte zu einem Besuch in Rumänien und im Banat. Ein bisschen war es für ihn auch eine Reise in die eigene Vergangenheit: er selbst wurde 1938 als Donauschwabe in Filipowa im heutigen Serbien geboren. Als Sechsjähriger wurde er gemeinsam mit seiner Großmutter und zwei Cousinen in ein Vernichtungslager gebracht. 1945 gelang ihnen die Flucht über Ungarn und Wien nach Deutschland, wo er eine kirchliche Laufbahn einschlug und unter anderem auch sechs Jahre lang Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz war.

In Begleitung von Rolf Maruhn, Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, reiste er durch den rumänischen Teil des Banats. Stationen seiner Reise waren Reschitza, Karansebesch, Orschowa und Orawitza. . Bild vergrößern (© Deutsches Konsulat / Alexandra Bidian) Tanzende Kinder, gekleidet in bunten Trachten begrüßten Robert Zollitsch im Deutschen Jugend-, Dokumentations- und Kulturzentrum „Alexander Tietz“ in Reschitza. Stolz führten die Kinder ihre eingeübten Schritte vor, bewegten sich im Takt der Musik, tanzten im Kreis. „Es ist schön zu sehen, dass die Volkstänze bei den Kleinen weiterhin lebendig sind“, sagte der emeritierte Erzbischof lächelnd. . Bild vergrößern (© Demokratisches Forum der Banater Berglanddeutschen) Viele Menschen kamen, um ihn zu treffen und der Übergabe des Ehrendiploms des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen durch den stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Christian Chioncel beizuwohnen. Alle Plätze der kleinen Bibliothek waren besetzt, die Reihen der Stühle reichten bis zu den Vitrinen, die mit Puppen, künstlerisch bemalten Eiern und weiteren Erinnerungsstücken gefüllt sind. Eine musikalische Überraschung beendete die erste Station der Reise. Der Text des vorgetragenen Liedes erzählte von Sehnsucht, Natur und den heimatlichen Bergen des Semenics. Eine ruhige Gitarrenmelodie begleitete die gesungenen Worte.

Mit Musik begann auch die Messe in der katholischen „Maria Schnee“-Kirche in Reschitza. Der Gesang des Pfarrchors, Orgelmusik, Messdiener und mehrere Pfarrer geleiteten Robert Zollitsch in die Kirche. Er selbst hielt den Gottesdienst mit lokaler Unterstützung durch Erzdechant Jozsef Csaba Pal und Pfarrer Janos Varga Höhepunkt des Besuchs im Banater Bergland: die heilige Messe in der Maria-Schnee-Kirche Bild vergrößern Höhepunkt des Besuchs im Banater Bergland: die heilige Messe in der Maria-Schnee-Kirche (© Demokratisches Forum der Banater Berglanddeutsche)

Ein ökumenisches Gebet am Denkmal der Russlanddeportierten zusammen mit Dechant Wolfgang Wünsch des Evangelischen Landeskirchen-Bezirkes Mühlbach und dem orthodoxen Protopopen Petru Berbentia schloss sich an den Gottesdienst an. „Wenn wir den Toten nicht gedenken, töten wir sie zum zweiten Mal“, sagte Robert Zollitsch, bevor er einen bunten Blumenkranz niederlegte. „Ich habe die Hoffnung, dass so etwas nie mehr passieren wird.“  Ansprachen am Denkmal der Opfer der Russlanddeportation Bild vergrößern Ansprachen am Denkmal der Opfer der Russlanddeportation (© Demokratisches Forum der Banater Berglanddeutsche )

Der Weg nach Karansebesch führte durch die Wälder und über die Berge des Semenics. In einem versteckten Tal bei Wolfsberg stärkten sich die Reisenden mit Kaffee und Kuchen und besichtigten die Bühne des bekanntesten rumänischen Jazzfestivals. An Kühen vorbei, durch kleine Dörfer und entlang kurviger Straßen ging es weiter.

Das Kolping-Ausbildungshotel in Karansebesch  . Bild vergrößern (© Deutsches Konsulat / Alexandra Bidian) war die letzte Station des ersten Tages. Jugendliche erhalten hier die Möglichkeit eine sowohl theoretische als auch praktische  Ausbildung in der Gastronomie und Hotellerie zu absolvieren. Ebenso können Menschen mit Behinderung hier unter qualifizierter Begleitung arbeiten.

. Bild vergrößern (© Deutsches Konsulat / Alexandra Bidian) Mit einer Messe bei den Schwestern der Kongregation der Franziskanerinnen aus Salzkotten begann der zweite Tag. Die kleine Kapelle erstrahlte im Sonnenlicht des heranbrechenden Tages, Schattenspiele an den Wänden, die geübten Stimmen der Schwestern, mal einstimmig, mal mehrstimmig, ein wunderschöner Klangteppich, der sich sanft im Raum ausbreitete.

Auf dem Weg nach Orschowa gab es einen kurzen Abstecher vorbei am historischen Herkulesbad. Eingebettet zwischen hohen Bergen liegen die historischen Gebäude, Badehäuser und Hotels, Überbleibsel einer vergessenen Zeit.

Die Stadt Orschowa ist an der Donau gelegen. Während des Ceaucescu-Regimes musste sie einem Staudammprojekt weichen. Die Menschen verließen ihre Heimat und wurden umgesiedelt. Eine neue Stadt, ein neues Orschowa, entstand und mit ihr auch eine neue Kirche, die heute als einziger geduldeter Neubau einer katholischen Kirche unter Ceaucescu bekannt ist  .vor der 'neuen' Kirche in Orschowa Bild vergrößern vor der 'neuen' Kirche in Orschowa (© Deutsches Konsulat / Alexandra Bidian) . Die Malereien des Kreuzgangs zeigen eine weitere Besonderheit auf, sie kritisieren durch versteckte Anspielungen den damals herrschenden Kommunismus. Josef Cservenka ist ein Zeuge dieser Zeit und mittlerweile 87 Jahre alt. Seine Berichte und Erinnerungen teilte er mit Erzbischof Robert Zollitsch und seinen Begleitern. Anekdoten und Geschichten aus der Vergangenheit, aber auch die Probleme der Stadtbewohner wurden durch seine Erzählungen lebendig.

Nach einer kurzen Andacht an dem kürzlich eingeweihten Gedenkstein für deutsche Soldaten ging es weiter zu dem orthodoxen Kloster Sfanta Ana. .das orthodoxe Nonnenkloster Sfa. Ana Bild vergrößern das orthodoxe Nonnenkloster Sfa. Ana (© Deutsches Konsulat / Alexandra Bidian) Es ist auf einem der Berge neben der Stadt gelegen. Ein Garten voller Blumen schmückt den Eingangsbereich des Klosters, leuchtende Farben der Blumen unter einem fast wolkenlosen blauen Himmel. Ein spektakulärerer Blick über das Donautal eröffnete sich den Reisenden zum Abschluss des zweiten Tages.

Der dritte und letzte Tag führte am Ufer der Donau entlang, die Berge und der Fluss erstrecken sich entlang der Straße bis hin nach Orawitza. Die dortige Barockkirche und das älteste Theater Rumäniens .ein historisches Schmuckstück: das Theater von Orawitza Bild vergrößern ein historisches Schmuckstück: das Theater von Orawitza (© Deutsches Konsulat / Alexandra Bidian) , welches dem Wiener Burgtheater nachempfunden ist, waren die letzten Stationen der Reise, bevor es für Erzbischof Zollitsch weiter nach Serbien ging.

„Das waren für mich sehr beeindruckende Tage“, erzählte Robert Zollitsch am Ende seines Aufenthaltes in Rumänien. „Zum einen die beeindruckenden Kirchen und zum anderen die Begegnungen mit den Menschen, die uns jedes Mal sehr freundlich und freundschaftlich begegnet sind, die uns ganz besonders interessiert aufgenommen haben und uns halfen das Land tiefer zu verstehen. Sie alle waren bemüht uns möglichst vieles von diesem Land zu zeigen.“

Erzbischof Robert Zollitsch

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