"Sommerschule" des DSTT in Wolfsberg/Gărâna

Das "Sommertheater" in der Kulturmetropole Temeswar in der eigentlich spielfreien Theaterpause begann turbulent - mit erregten Diskussionen, flankiert von glühenden Solidaritätsbekundungen zugunsten des in städtischer Trägerschaft befindlichen Deutschen sowie des Ungarischen Statstheaters und der Banater Philharmonie, deren Fortbestand bedroht schien, nachdem die rumänische Regierung den Kommunalverwaltungen kurzfristig einschneidende Personalkürzungen hatte abverlangen wollen /(lesen Sie bitte hierzu auch den benachbarten Bericht auf dieser Internetseite des Deutschen Konsulats)/. Nachdem ein gemeinsamer Kraftakt der Intendanten, der Kultur gegenüber aufgeschlossener Politiker und der Diplomatie das Schlimmste (bis auf weiteres) verhüten konnte, gingen die zuvor erst durch die massiven Gehaltskürzungen im rumänischen öffentlichen Dienst hart getroffenen und durch die "Schließungsdiskussion" zusätzlich verunsicherten, tragenden Säulen des Theaterbetriebs, das wunderbare Ensemble des DSTT und drei Student/inn/en des Fachbereichs /Schauspiel in deutscher Sprache/ an der Temeswarer West-Universität (Fakultät für Musik) mit wie stets beeindruckendem Elan an die harte Arbeit hochkarätiger Fortbildung - im Banater Bergland.

Die zweite Auflage der "Sommerschule" des Deutschen Staatstheaters Temeswar (DSTT) fand zwischen dem 16. und dem 30. August 2010, erneut in Wolfsberg/Gărâna, statt. Die Leitung des Seminars hatte in diesem Jahr Prof. Thomas Buts von der Folkwang-Universität Essen/Deutschland. Unterstützt wurde er von drei Workshopleitern von der Columbia University aus New York/U.S.A., die auch den letztjährigen Leiter der Sommerschule, Nikolaus Wolcz, begleitet hatten. Diese exquisite Fortbildungsmaßnahme wurde durch das Institut für Auslandsbeziehungen e.V. (IFA) Stuttgart und durch die Stadt Temeswar gefördert.

Prof. Thomas Buts ist Professor für Sprecherziehung an der Folkwang-Universität Essen. Zuvor hatte er einen Lehrauftrag an der /Hochschule für Musik und Theater Hannover/ und an der /Folkwang Hochschule/ am Standort Bochum. Bis 2004 betreute er als Schauspielcoach bei Grundy UFA in Köln auch die Produktion der Fernsehserie /Verbotene Liebe/. Prof. Buts betrieb eine Praxis für Sprach- und Stimmtherapie in Berlin. Er trainierte Schauspieler an mehreren Theatern aus Deutschland, wie z.B. in Hildesheim, Berlin, aber auch in Wien, Krakau u.a. Von der Leistungsfähigkeit, Einsatzbereitschaft und dem Durchhaltevermögen wie auch von der physischen, intellektuellen und kreativen Klasse der DSTT-Truppe zeigte sich Prof. Buts mehr als angetan - so etwas habe er "nirgends sonst je so erlebt". Ein solches Urteil aus wahrlich berufenem Munde findet im Stammbuch des DSTT sicherlich den ihm gebührenden Platz!

Der deutsche Konsul in Temeswar, Klaus Brennecke nutzte seinen Urlaub in Wolfsberg/Gărâna dazu, den Verlauf des Seminars vom Anfang bis zur triumphalen (öffentlichen! - und gemäß den Möglichkeiten eines 85-Seelen-Dorfes besuchten) Vorstellung der Ergebnisse am letzten Tag zu beobachten. Er konnte sich dabei aus für ihn ungewohnter Perspektive, nämlich der des "harten täglichen Brots des Schauspielers" davon überzeugen, auf welches herausragende Ensemble der Intendant des DSTT, Lucian M. Vărsăndan mit Recht so spürbar stolz ist. Trotz stürmischer Zeiten und lebensbedrohlichen Sparzwängen gerade im Kultursektor arbeiten die Schauspieler/innen des DSTT mit Leidenschaft und schier unerschöpflicher Energie an ihrer ständigen Perfektionierung - zur Freude der Freunde des Hauses im In- und Ausland. Nach einer begeisternden Spielzeit 2009/10 mit vielen fesselnden Neuproduktionen /(falls es interessiert - hier des Konsuls Favoritenauswahl in chronologischer Reihenfolge: GOETHE LENAU FAUST, WARTEN AUF GODOT, WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF, SHAKING SHAKESPEARE)/ bleibt zu hoffen, daß die ohnehin vergleichsweise bescheidenen Finanzierungsquellen des DSTT auch in der beginnenden Saison nicht spärlicher sprudeln, damit sich "der Lappen weiter hebt" und das DSTT in den Chor der großen Bühnen Rumäniens seine kraftvolle deutschsprachige Stimme einbringen kann. Der Mensch lebt ja schließlich nicht vom Brot allein - "panem et circenses" hieß es schon bei den alten Römern, auf die man sich hierzulande zu Recht und gerne bezieht. Und noch eines: wäre jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, aus der Mitte der Gesellschaft heraus einen Freundes- und Förderkreis des DSTT ins Leben zu rufen, um Solidarität mit dem Haus zu demonstrieren (und ein paar zusätzliche Finanzen zusammenzutragen)???

(unter Verwendung von Auszügen aus der Internetseite des DSTT) www.teatrulgerman.ro